Arbeitslosigkeit

Arbeitslosenquoten im internationalen Vergleich

Die traurige Tabelle im weltweiten Kampf gegen die Arbeitslosigkeit führen Simbabwe, Liberia und Syrien an. Deutschland steht in unserem Vergleich von 89 Ländern auf dem 73sten Platz.

Allerdings überrascht das erfreulichere Ende der Tabelle: Belarus, Thailand und Macau sind mit weniger als 2% äußerst gut positionert. Allerdings gelten nicht überall die selben Regeln für offizielle Daten. Arbeitslos sein oder sich arbeitslos melden sind oftmals verschiedene Dinge.

Gründe extremer Arbeitslosenquoten

Alle oben genannten Angaben kommen aus öffentlichen Stellen der jeweiligen Länder, sind also als offizielle Arbeitslosenquoten zu verstehen. Die Regeln, nach denen jemand als arbeitslos gilt, sind jedoch von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland legt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die dazu geltenden Richtlinien fest. So ist z.B. hierzulande nur jemand arbeitslos, wenn er weniger als 15 Wochenstunden arbeitet, das Rentenalter noch nicht erreicht hat und gleichzeitig dem Arbeitsmarkt für weitere Anstellungen zur Verfügung steht. Natürlich muss er sich hierzu bei der Bundesagentur für Arbeit auch melden. Erfüllt man all diese Voraussetzungen, führt aber gerade eine Maßnahme der selben Bundesagentur durch (um seine Anstellungschancen zu erhöhen), gilt man widerum nicht als arbeitslos. In Deutschland gibt es zudem einen hohen Anreiz, sich arbeitlos zu melden: Das Arbeitslosengeld und die Hilfe bei der Arbeitsvermittlung.

Diese Definition von Arbeitslosigkeit gilt aber selbstverständlich nicht überall. In Thailand (Arbeitslosenquote 0,9%) gilt man erst als arbeitslos, wenn man zuvor mindestens 6 Monate steuerpflichtig gearbeitet hat. Gerade in Thailand, aber auch in anderen Entwicklungs- und Schwellenländern arbeitet man oft unangemeldet als Quasi-Tagelöhner. Gleich ob Bauhelfer, Suppenkoch, Hausmeister oder Reisbauer: Eine Meldung als steuerpflichtig Erwerbstätiger findet oft nicht statt, so dass man nach Ende einer solchen Tätigkeit ohnehin nicht als arbeitslos gelten würde.

Die gleiche Form und ein vermutlich ähnliches Ausmaß unangemeldeter Arbeitsverhältnisse gibt es auch am oberen Ende der Tabelle in Simbabwe. Die Arbeitslosenquote liegt bei 95,0%. Hier allerdings gibt es die staatliche Sozialhilfe (grob formuliert) schon dann, wenn man sich als Bürger des Landes nicht selbst ernähren kann. Wer keine für den Staat nachweisbare Anstellung hat oder nur als Tagelöhner oder kleiner Selbstständiger arbeitet, meldet sich in der Regel arbeitlos, um staatliche Hilfen zu erhalten.

In vielen einkommensschwachen Ländern fehlen stattdessen die Anreize für eine entsprechende Meldung. Denn wenn es weder Hilfe bei der Arbeitssuche noch finanzielle Unterstützung gibt, fehlt auch der Grund, sich überhaupt arbeitslos zu melden.

Andersherum sieht es in klassischen Arbeiterländern wie Hongkong, Macau, Singapur oder den Vereinigten Arabischen Emiraten aus: Die Länder sind überdurchschnittlich reich. Bei ebenso überdurchschnittlich hohen Lebenshaltungskosten ist es kaum möglich, sich dort ohne feste Arbeit zu ernähren. Anders als u.a. in Ländern der EU findet demnach eine Zuwanderung finanzschwacher Schichten kaum statt. Stattdessen ziehen diese Länder aber viele ausländische Arbeiter an, die dort für mehrere Jahre nur leben, um zu arbeiten. Ist das Arbeitsverhältnis beendet, gelten diese Arbeiter nicht als arbeitslos, sondern als inexistent. Denn mit dem Arbeitsverhältnis läuft auch das Visum aus und man muss das Land verlassen.