Bild: tpsdave/pixabay

Herkunfts- und Zielländer von Flüchtlingen

Von den zahllosen Flüchtlingen im Jahr 2018 kamen die meisten aus Venezuela und aus Afghanistan. Auf der anderen Seite stehen Peru und Deutschland als am häufigsten gewählte Aufnahmeländer für einen Asylantrag.

Unsere Auflistung zeigt auf beiden Seiten die 50 größten Länder auf Basis der vom UNHCR erhobenen Daten. Enthalten ist jeweils die Anzahl der Erstanträge auf Asyl. Die Ablehnungs- und Aufnahmequoten der einzelnen Staaten finden Sie auf der Detailansicht jedes Landes. Klicken Sie hierzu auf den Ländernamen.

vgwort

Karte der größten Flüchtlingsländer 2018

Für das Jahr 2018 wurden weltweit 1,54 Millionen Asyl-Erstanträge von Flüchtlingen registriert. Die Anzahl der angenommen Erstanträge belief sich auf 283.700 und somit rund 18%. Die Karte zeigt die Länder, aus denen die meisten Menschen flüchten.

Top 50 der Flüchtlingsländer

HerkunftAsyl-
anträge
pro Mio
Einwohner
Venezuela340.71211.802
Afghanistan107.4782.891
Syrien106.0926.275
Irak72.5431.887
Demokratische Republik Kongo60.909725
Eritrea41.5306.956
Nigeria38.806198
Pakistan35.967169
Iran35.651436
Sudan32.272772
Nicaragua30.4454.709
Türkei29.723361
Somalia27.6271.841
China25.45518
Kolumbien25.107506
Myanmar22.936427
Äthiopien22.900210
Honduras22.5722.354
El Salvador21.2003.302
Georgien20.0555.375
Albanien19.9786.970
Kuba18.9731.673
Russland18.894131
Ukraine18.324411
Bangladesch18.084112
Indien17.49513
Jemen16.073564
Guinea15.3731.238
Haiti14.2011.277
Algerien11.412270
Malaysia11.384361
Guatemala11.295655
Südsudan9.861898
Elfenbeinküste9.792391
Zentralafrikanische Republik9.7292.085
Burkina Faso9.560484
Burundi9.459846
Marokko9.268257
Mexiko9.01671
Kamerun9.015358
Ägypten8.69788
Serbien7.6631.098
Sri Lanka7.565349
Mali7.265381
Senegal7.019443
Libyen5.391807
Armenien5.2021.762
Vietnam4.84551
Gambia4.7382.078
Ghana3.920132

Top 50 der Aufnahmeländer

ZiellandAsyl-
anträge
pro Mio
Einwohner
Peru192.4446.016
Deutschland161.8671.952
Frankreich114.5071.709
Vereinigte Staaten von Amerika96.495295
Türkei83.7771.018
Brasilien79.909381
Griechenland66.8526.232
Spanien55.6091.190
Kanada55.2701.491
Italien48.391801
Vereinigtes Königreich37.358562
Mexiko29.544234
Australien28.8391.154
Costa Rica27.9675.594
Malaysia23.743753
Ägypten22.926233
Niederlande20.4681.188
Uganda19.655460
Kenia19.380377
Belgien17.9951.575
Schweden17.7581.744
Ecuador16.969993
Libyen16.2452.432
Israel16.2151.825
Südkorea16.090312
Burundi13.8961.243
Österreich13.6861.547
Schweiz13.4511.579
Sambia11.290651
Panama10.7532.574
Japan10.49383
Jordanien10.4071.045
Mali9.918520
Trinidad und Tobago8.6246.205
Südafrika8.352145
Zypern7.8046.562
Russland7.76754
Vereinigte Arabische Emirate7.458774
Indien7.1965
Uruguay6.7431.955
Niger5.768257
Chile5.761308
Malawi5.493303
Demokratische Republik Kongo5.10461
Kamerun4.960197
Syrien4.653275
Albanien4.3421.515
Marokko3.814106
Irland3.608743
Dänemark3.401587

Europäische Flüchtlingskrise ab 2015

Noch im Jahr 2013 registrierten UNHCR und Eurostat für Europa gerade einmal 431.094 neu ankommende Flüchtlinge (Anzahl der Erstanträge). Im Jahr 2014 stieg diese Zahl auf knapp 627.000 an und erreichte im Jahr 2015 einen Höchststand von 1,323 Millionen Asylbewerbern. In 2016 flaute der Ansturm nur geringfügig auf 1,261 Millionen Erstanträge ab. Eine deutliche Entspannung gab es erst im Jahr 2017 mit rund 708.000 Flüchtlingen.

Die Ursachen der Flüchtlingskrise werden in einer allgemeinen Zunahme gewaltsamer Vertreibung in Kombination mit drastisch verschlechterten Lebensumständen in den Herkunftsländern gesehen. Insbesondere religiöse oder kulturelle Minderheiten werden in Krisengebieten unterdrückt und teils gewaltsam drangsaliert. Hinzu kommen ungelöste humanitäre Krisen wie in Somalia und Eritrea. Aufgrund der schon seit Jahrzehnten anhaltenden Armut stieg die Bereitschaft, die Strapazen einer Flucht auf sich zu nehmen. Der Ansturm im Jahr 2015 erfolgte zu großen Teilen aus Syrien heraus, nachdem die Versorgung in den dortigen Flüchtlingslagern zusammen brach.

Die unerwartete Menge an Asylbewerbern traf die europäischen Staaten weitestgehend unvorbereitet und so kam es einerseits durch die plötzliche Zunahme der Anträge, andererseits durch die chaotischen Aufnahme- und Verteilungssysteme zu dem Begriff "Flüchtlingkrise".

Kritik wurde vor allem an der Verteilung der Asylbewerber auf die einzelnen Mitgliedsstaaten laut. Mit dem Schengener und Dubliner Abkommen wurden Prozeduren schon 25 Jahre zuvor festgelegt, die aber in den Jahren 2015 und 2016 in der Umsetzung scheiterten. Zeitgleich verschärfte sich angesichts der Missstände die Kritik der europäischen Bevölkerung am Asylsystem. Es kam in der Folge in vielen EU-Ländern zu einem Popularitätsanstieg nationalistischer oder zumindest konservativer Parteien.

Flüchtlingsrouten

Die 4 wesentlichen Flüchtlingsrouten in den Jahren 2014-2018 waren:

Die östliche Mittelmeerroute: Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak und Afhanistan durchquerten die Türkei, um von dort auf die nahegelegenen griechischen Mittelmeerinseln und somit in die EU zu gelangen.

Die westliche Balkanroute lag parallel dazu und führte auf dem Landweg durch Albanien, Montenegro oder Nordmazedonien nach Ungarn und Österreich. Beide Routen wurden auch von Syrern, Afghanen, Pakistanis und Nordafrikanern benutzt, nachdem die Türkei ihre Visapflicht lockerte.

Die zentrale Mittelmeerroute führte zumeist von Libyen mit Booten über das Mittelmeer zum etwa 340 km entfernten Malta oder zur italienischen Insel Lampedusa (270 km von der libyschen Küste entfernt).

Die westliche Mittelmeerroute führte über die Meerenge zwischen Marokko und Gibraltar. Da Spanien auf dem afrikanischen Kontinent die beiden Exklaven Melilla und Ceuta besitzt, wurden auch diese beiden Gebiete in der Nordküste Marokkos zum Anlaufziel für Flüchtlinge.