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Hochverschuldete Entwicklungsländer

Die hochverschuldeten Entwicklungsländer sind eine Teilgruppe der Entwicklungsländer, die vom Internationalen Währungsfonds (IMF) festgelegt wurden. Ziel dieser Klassifizierung war 1999 ein Schuldenerlass, der von Deutschland vorgeschlagen und seitens der G8-Staaten vorgeschlagen wurde. Initiator war damals Deutschland.

Von den zur Zeit 36 Ländern befinden sich die meisten in Afrika. Insgesamt leben rund 704,77 Millionen Menschen in betroffenen Ländern, was 9,4% der Weltbevölkerung entspricht.
LandEinwohnerPro-Kopf-EinkommenHuman Development IndexVerschuldung
Afghanistan35,5 Mio496 EUR0,49812,1%
Äthiopien105,0 Mio655 EUR0,46333,2%
Benin11,2 Mio708 EUR0,51531,3%
Bolivien11,1 Mio2.771 EUR0,69335,7%
Burkina Faso19,2 Mio522 EUR0,42325,0%
Burundi10,9 Mio248 EUR0,41717,7%
Demokratische Republik Kongo81,3 Mio407 EUR0,45714,0%
Elfenbeinküste24,3 Mio1.399 EUR0,49234,4%
Gambia2,1 Mio602 EUR0,46065,9%
Ghana28,8 Mio1.664 EUR0,59248,1%
Guinea12,7 Mio699 EUR0,45914,3%
Guinea-Bissau1,9 Mio584 EUR0,45524,3%
Guyana0,8 Mio3.983 EUR0,65443,5%
Haiti11,0 Mio673 EUR0,49826,2%
Honduras9,3 Mio1.992 EUR0,61740,6%
Kamerun24,1 Mio1.213 EUR0,55630,3%
Komoren0,8 Mio1.133 EUR0,50325,3%
Kongo5,3 Mio1.266 EUR0,60656,1%
Liberia4,7 Mio549 EUR0,43561,3%
Madagaskar25,6 Mio354 EUR0,51930,3%
Malawi18,6 Mio283 EUR0,47735,1%
Mali18,5 Mio682 EUR0,42729,3%
Mauretanien4,4 Mio974 EUR0,52085,2%
Mosambik29,7 Mio372 EUR0,437100,8%
Nicaragua6,2 Mio1.885 EUR0,65885,3%
Niger21,5 Mio319 EUR0,35441,8%
Ruanda12,2 Mio637 EUR0,52437,4%
Sambia17,1 Mio1.142 EUR0,58865,2%
São Tomé und Príncipe0,2 Mio1.567 EUR0,58966,6%
Senegal15,9 Mio1.098 EUR0,50556,2%
Sierra Leone7,6 Mio451 EUR0,41947,3%
Tansania57,3 Mio806 EUR0,53835,4%
Togo7,8 Mio540 EUR0,50332,8%
Tschad14,9 Mio567 EUR0,40431,9%
Uganda42,9 Mio531 EUR0,51644,3%
Zentralafrikanische Republik4,7 Mio345 EUR0,36737,4%


Kriterien zur Aufnahme

Vor einer Aufnahme in die Initiative zum Schuldenerlass, legen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds strenge Kriterien fest. Ziel ist es, Schulden nur von solchen Staaten zu erlassen, die einerseits bereits hochverschuldet sind und diese Verbindlichkeiten aller Wahrscheinlichkeit nach aus eigener Kraft ohnehin nicht mehr bezahlen können. Andererseits sollen diese Staaten aber auch die Fähigkeit besitzen, nach einem Erlass aus der Armut heraus zu wachsen. Ein Staat muss also nicht nur besonders arm sein, sondern auch auf politischer Ebene gewissen Voraussetzungen erfüllen.

Diese Voraussetzungen werden in einem dreistufigen Verfahren meist über mehrere Jahre festgelegt und beobachtet. So stehen zwar Eritrea, Somalia und der Sudan seit längerem auf der Liste der Länder, die immerhin die Voraussetzung der Armut erfüllen. Keines dieser 3 Länder hat aber bislang überzeugend darlegen oder gar zeigen können, dass die Regierung auch fähig ist, Armut zu bekämpfen. Dazu ist es auch nötig, bereits im Vorfeld wirksame Reformen umzusetzen und Erfolge vorzuweisen.

Zweifel an der Nachhaltigkeit

Ziel der Initiative ist es, Armut in den betroffenen Ländern zu verringern und es den Regierungen durch den Schuldenerlass zu ermöglichen, auf eigenen Beinen zu stehen. Durch die von der Gemeinschaft kontrollierten Reformprogramme sollen dabei effektive Maßnahmen erzielt werden. Ein wirtschaftlich ohnehin bereits geschwächtes Land mag diesen Schuldenerlass jedoch auch dazu nutzen, sich erneut Geld bei anderen Staaten zu leihen und dieses ebenfalls nicht zurück zu zahlen.

Eine Ungerechtigkeit ist zudem darin zu erkennen, dass vereinzelte Länder mit einem Erlass Ihrer Schulden belohnt werden, obwohl sie es nicht geschafft haben, auf eigenen Beinen zu stehen. Jene Länder, die dagegen knapp oberhalb der Armutsgrenze stehen, weil deren Reformen erfolgreich waren, werden nicht belohnt.